Theaterstück des 10er Kurses WP Darstellen & Gestalten

Julia und Romeo

 

Frieren musste an diesem Nachmittag niemand, denn es herrschten sowohl draußen als auch drinnen im Aufführungsraum Temperaturen jenseits der 30°C. Trotzdem spielten die Schülerinnen und Schüler des 10er Kurses WP Darstellen & Gestalten energiegeladen und mit sichtbar viel Spaß, und das sogar Corona konform durchweg mit Maske. Aber schließlich handelte es sich bei dem Stück „Julia und Romeo“ nicht nur um das Abschlussstück des Kurses, sondern auch um ein Stück, das die Schülerinnen und Schüler in Anlehnung an Shakespeares Tragödie selbst geschrieben hatten. Unterstützung erhielt der Kurs unter der Leitung von Herrn Steinfadt dabei durch den Theaterpädagogen Jan Savelsberg. So entstand in den letzten Monaten trotz der Corona-Einschränkungen ein Stück, das es in sich hatte.

Romeo (Leon Wattenbach) entstammt einer stadtbekannten Nazifamilie und hat zweifelhafte Nazifreunde. Nach einem missglückten Überfall auf einen Kiosk muss Romeo Sozialstunden ableisten – ausgerechnet in einer Notunterkunft für Flüchtlinge aus Syrien. Dort lebt auch Julia (Celina Utzerath) mit ihrer Familie. Obwohl sie sich in Deutschland wohlfühlt und hier bleiben möchte, will ihr Vater (Yannick Jacobs) sie mit Abram (Leon Borgens), der extra aus Syrien anreist, verheiraten.

Doch das Schicksal hat bekanntlich oftmals andere Pläne und so laufen sich Romeo und Julia im Flüchtlingsheim zufällig über den Weg. Genaugenommen stolpern die beiden mit voller Wucht übereinander, Julia fällt hin, Romeo hilft ihr galant auf…Liebe auf den ersten Blick!

In der Schule erfährt Julia von Romeos Nazivergangenheit und kann es kaum glauben. Gleichzeitig bekommt Romeos Familie Wind von der Beziehung zu Julia, und ein heftiger Streit entbricht am Esstisch. Einzig durch seine Oma (Nick Gottschalk) erhält Romeo Unterstützung und Zuspruch. Die gewitzte alte Dame, die in jungen Jahren selbst einen Polen heiratete, bietet dem jungen Paar ihr Häuschen als Unterschlupf an.

In der Zwischenzeit ist Abram im Flüchtlingsheim angekommen und will seine zukünftige Braut Julia zur Hochzeit zurück mit nach Syrien nehmen, woraufhin Julia entsetzt wegläuft.

Wie nicht anders zu erwarten, läuft sie Romeo in die Arme und erzählt ihm von den Hochzeitsplänen ihres Vaters für sie.

Die beiden flüchten zur Oma und verbringen dort die Nacht miteinander. Außerdem schmiedet das junge Paar einen gefährlichen Plan: Sie wollen verbreiten, dass Julia keine Jungfrau mehr ist in der Hoffnung, dass Abram sie dann nicht mehr heiraten will.

Wie erhofft, verbreitet sich das Gerücht wie ein Lauffeuer und zwar sowohl in Julias Familie, als auch unter Romeos Nazifreunden.

Aus Rache, dass ein Flüchtlingsmädchen einem Deutschen den Kopf verdreht hat, beschließen diese, das Flüchtlingsheim anzuzünden. Romeo, der von dem geplanten Brandanschlag erfährt, eilt zur Flüchtlingsunterkunft, um Julias Familie zu warnen. Die Familie kann unbeschadet vor dem Feuer fliehen. Nur Abram, der in Romeo Julias Liebhaber erkennt, stellt sich Romeo in den Weg. Es kommt zum finalen Showdown zwischen den Kontrahenten. Abram verletzt Romeo mit einem Messer schwer am Bein, doch Romeo kann Abram schließlich überwältigen. Bei seinem Versuch, den bewusstlosen Abram aus dem Gebäude zu ziehen, stürzt ein Balken von der Decke, begräbt Abram unter sich und Abram kommt in den Flammen ums Leben.

Anders als bei „Romeo und Julia“ gibt es zum Glück aber doch noch ein Happy End. Einen der Nazifreunde plagt das schlechte Gewissen, er geht zurück in die brennende Unterkunft und kann Romeo lebend aus den Flammen retten. Der Rest der Nazibande wird von der Polizei gestellt und verhaftet. Und sogar Julias Vater erkennt sein Unrecht. Nein, einen Mann, der einen Menschen mit einem Messer verletzt, würde er nicht für seine Tochter haben wollen. Dann doch lieber einen Deutschen, der die Familie vor dem Brandanschlag warnte und dafür beinahe mit dem Leben bezahlt hätte.

Die Szenenwechsel wurden untermalt durch eingespielte Musik, die jeweils passend zur Handlang ausgewählt war. So lief beispielsweise Becks „Loser“ zu Romeos Antritt seiner Sozialstunden im Flüchtlingsheim, zu den Hasstiraden von Romeos Vater (Jaqueline Pelzer) ertönte „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten und beim Brandanschlag durfte natürlich „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen nicht fehlen.

Das aufgrund von Corona nur sehr kleine Publikum war begeistert. „Was für ein Knaller“, freute sich Frau Fiege. „Wer hätte gedacht, dass unter diesen Umständen so ein gutes Stück herauskommen würde?“

Und auch der Kursleiter Herr Steinfadt wirkte nicht nur erleichtert, sondern auch sichtlich zufrieden. „Es war wirklich nicht einfach, besonders in der Zeit des Wechselunterrichts. In der Präsenzwoche haben die anwesenden Schülerinnen und Schüler die Szenen improvisiert und auf Video aufgenommen, in der Distanzwoche haben sie die Aufnahmen dann verschriftlicht und angefangen, die Texte zu lernen.“

In jedem Fall hat sich die viele Mühe voll und ganz gelohnt und alle Beteiligten können zu Recht stolz auf sich sein, dass sie zum Abschluss noch ein eigenes Stück auf die Bühne gebracht haben.

In einem ersten Durchgang eine Woche zuvor wurden Romeo übrigens von Gabriel Enniger und Romeos Vater von Eva Vallcorba Martinez gespielt.

 

Text und Fotos: K. Brockmann

 

Bild 1:

V.l.n.r.: Romeo (Leon Wattenbach), sein Vater (Jaqueline Pelzer), seine Mutter (Fiona Rößeler) und die Oma (Nick Gottschalk) streiten sich am Esstisch.

 

Bild 2:

Romeo (Leon Wattenbach, l.) und Julia (Celina Utzerath, r.) schmieden Pläne.

 

Bild 3:

Gruppenbild mit allen Beteiligten nach der Aufführung auf dem Schulhof